{"id":1373,"date":"2022-03-24T21:33:41","date_gmt":"2022-03-24T21:33:41","guid":{"rendered":"https:\/\/wepfilms.com\/2022\/03\/foerdern-und-fordern-marc-hairapetian-ueber-independent-kino-millionaere-milliardaere-und-das-jets-panel-2022-von-der-filmfinanzierung-bis-zum-verkauf\/"},"modified":"2022-03-24T21:40:12","modified_gmt":"2022-03-24T21:40:12","slug":"foerdern-und-fordern-marc-hairapetian-ueber-independent-kino-millionaere-milliardaere-und-das-jets-panel-2022-von-der-filmfinanzierung-bis-zum-verkauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/2022\/03\/foerdern-und-fordern-marc-hairapetian-ueber-independent-kino-millionaere-milliardaere-und-das-jets-panel-2022-von-der-filmfinanzierung-bis-zum-verkauf\/","title":{"rendered":"F\u00f6rdern und Fordern &#8211; Marc Hairapetian \u00fcber Independent-Kino, Million\u00e4re, Milliar- d\u00e4re und das JETS-Panel 2022 \u201eVon der Filmfinanzierung bis zum Verkauf\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eJournalisten fragen, Politiker antworten\u201c, hie\u00df es von 1952 bis 1987 bei Werners H\u00f6fers \u201eInternationalem Fr\u00fchschoppen\u201c, der legend\u00e4ren Diskussionsrunde des Westdeutsche Rundfunks, die immer Sonntags im Deutschen Fernsehen (heute: Das Erste) ausgestrahlt wurde. Beim ersten JETS-Panel des Jahres 2022 m\u00fcsste die \u00dcberschrift lauten: \u201eJournalisten und Filmemacher fragen, Weltvertriebe und Filmf\u00f6rderer antworten\u201c. Ich hatte die Ehre, die Veranstaltung, bei der es hoch herging, zu moderieren. Die Liste der Panelisten war hochkar\u00e4tig: Bei den Filmf\u00f6rderungsanstalten waren Stephanie Marschner (HessenFilm, Deutschland), Francesca Accinelli (Telefilm Canada), Onke Dumeko (nfvf , S\u00fcdafrika), Jochen Coldewey (nordmedia, Deutschland) und erstmals Roland Teichmann vom \u00d6FI (\u00d6sterreichisches Filmintitut) vertreten. F\u00fcr die Weltvertriebe sprachen: Anick Pourier (WaZabi Films, Kanada), Colette Aguilar (Moonrise Pictures,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Spanien), Sophie Green (Bankside Films, Vereinigtes K\u00f6nigreich), James Fler (Raven Banner Entertainment, Kanada), Patrick Ewald (Epic Pictures Group, USA), Brian Nitzkin (Myriad Pictures, USA), Todd Brown (XYZ Films, Kanada) und Antonio Exacoustos (The Playmaker, ehemals Arri Media International, Deutschland). Das Panel stand unter einem einerseits logischen, anderseits doch sehr komplexen Motto: \u201eVon der Filmfinanzierung bis zum Verkauf. Was sind die Herausforderungen f\u00fcr Filmemacher und wie kann eine Film- und Medienf\u00f6rderinstitution gemeinsam mit Weltvertrieben\/Vertriebsfirmen sicherstellen, dass sich ein Film in der aktuellen Situation und dar\u00fcber hinaus auszahlt?\u201c<\/p>\n<p>Zum Start stelle ich zwei weitere Fragen in den Raum, die beide \u201eParteien\u201c m\u00f6glichst an einen Strang ziehen lassen soll: Wie kann ein Weltvertriebsagent nach der Finanzierung eines Films<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>\u00fcber verschiedene Kan\u00e4le den Verkauf eines Films sicherstellen? Und: Helfen Filmf\u00f6rderorganisationen bei diesem Distributionsprozess? Der von M\u00fcnchen aus t\u00e4tige Antonio Exacoustos findet Deutschland f\u00fcr die w\u00fcnschenswerte Allianz ein \u201eschwieriges Territorium\u201c, da hierzulande kaum internationalen Filmprojekte gef\u00f6rdert w\u00fcrden. Daf\u00fcr umso mehr deutsche. Und dann sagt er den durchaus provokativen Satz: \u201eEs gibt einfach zu viele deutsche Filme!\u201c Das sehen seine Kollegen von den Weltvertrieben wie auch die F\u00f6rderungsanstalten anders. Exacoustos f\u00fchrt weiter aus, dass Arthouse-Produktionen mehr gef\u00f6rdert w\u00fcrden als beispielsweise \u201eGenre-Filme, f\u00fcr die The Playmaker steht\u201c. Wenn fortan auch kommerziellere Projekte eine bessere F\u00f6rderung erhielten, k\u00f6nnte sich sein Filmvertrieb in zwei Jahren in einer besseren Position befinden.<\/p>\n<p>Todd Brown, der als Ausf\u00fchrender Produzent mit den in Indonesien gedrehten Iko-Uwais-Filmen \u201eThe Raid\u201c (2011, Budget nur 1,1 Millionen US-Dollar!) und \u201eThe Raid 2\u201c die zwei wohl besten Martial-Arts-Filme des neuen Jahrtausends betreute und auch sonst auf nicht gerade zimperliche Genre-Spektakel wie \u201eBlood Quantum\u201c (2019) oder \u201eYakuza Princess\u201c (2021) setzt, obwohl er ein friedfertiger Familienmensch mit Frau, Kindern und Katzen ist, hat einen anderen Ansatz: \u201eAls Produzent und Weltvertrieb muss man sehr fokussiert sein, auf die Fragen: ,F\u00fcr wen machst du das eigentlich?\u2018 Wo ist das Publikum jetzt daf\u00fcr?\u2018\u201c Der Markt h\u00e4tte sich &#8211; nicht erst seit der Corona-Pandemie &#8211; sehr gewandelt. Streamingdienste w\u00fcrde jetzt das Zepter in der Hand halten. Auch billig produzierte Streifen w\u00fcrden nicht nur einen logistischen, sondern vor allem einen enormen zeitlichen Aufwand ben\u00f6tigen mit Tausenden von Skizzen f\u00fcr Stoyboards. Deswegen spitzt er nochmals das bereits Gesagte zu und nimmt dabei die FilmemacherInnen ins Boot, wenn er sich mit ihnen selbst hinterfragt:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u201eWo bekomme ich das Publikum f\u00fcr meine Geschichte her? Und: <i>Wie finden sie mich?<\/i>\u201c Erst dann sollte man \u00fcber das Budget reden.<\/p>\n<p>Trotz der ver\u00e4nderten Situation mit der Suche nach anderen Vertriebswegen, in der wir uns im Jahr 2022 befinden, ist Roland Teichmann vom \u00d6FI \u201eimmer noch der Kinostart eines Films enorm wichtig\u201c. Er besch\u00e4ftigt sich auch mit dem Gedanken, wo und bei wem das Publikum in den Jahren 2023 und 2024, also \u201ehoffentlich nach der Pandemie\u201c sein wird: \u201eIch sehe nicht gro\u00dfe Unterschiede zwischen Weltvertrieben und F\u00f6rderanstalten. Wir denken in \u00e4hnlicher Weise und ziehen an sich am gleichen Strang.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Der \u00f6sterreichischen Filmkommission w\u00e4re es im Gegensatz zu Antonio Exacoustos Kritik am deutschen F\u00f6rdersystem sehr wohl daran gelegen, \u00f6sterreichische Produktionen auf internationalen Filmfestivals zu lancieren. \u201eAnsehen\u201c w\u00e4re der erste Schritt dabei, wenn man sie dann auch noch weltweit verkaufen k\u00f6nnte, \u201eumso besser\u201c. Er sieht das relativ entspannt: \u201eManchmal klappt es, manchmal nicht. Im Filmbereich kann man nicht alles kontrollieren.\u201c Den Filmemachern<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>w\u00fcrde man bei der Realisierung nicht reinreden. Allerdings gibt er zu: \u201eWir unterst\u00fctzen die Vertriebe nicht direkt. Dies sollte der Markt selbst regulieren.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Onke Dumeko aus S\u00fcdafrika sind wegen der Vergabe von Lizenzen \u201ekreative Langzeiteffekte wichtiger\u201c, als das Schielen auf das schnelle Geld. Sophie Green aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich sieht bei gef\u00f6rderten Filmen \u201eohnehin keine gro\u00dfe Gewinnspanne\u201c. Ausnahmen best\u00e4tigen nat\u00fcrlich auch hierbei die Regel.<\/p>\n<p>Anick Pourier von WaZabi Films gibt offen zu, was sich viele denken: \u201eWir wussten nicht, dass die Pandemie kommt und Netflix so zuschl\u00e4gt!\u201c Andererseits h\u00e4tte seinerzeit auch niemand von den Vertrieben geahnt, dass \u201eein damals 18-j\u00e4hriges Kid\u201c wie Xavier Dolan mit seinen sehr pers\u00f6nlichen, h\u00e4ufig autobiografischen Independent-Filmen weltweit eine begeisterte und vor allem treue Anh\u00e4ngerschar etablieren w\u00fcrde. Von vielen Seiten h\u00e4tte man vorher geh\u00f6rt: \u201eWas er macht ist nicht rentabel.\u201c Der Glaube an sein k\u00fcnstlerisches K\u00f6nnen habe aber bei ihnen im Vordergrund gestanden, der relative kommerzielle Erfolg sei dann ein erfreuliches Nebenprodukt gewesen. Seit 2020 plagen den Weltvertrieb, der felsenfest hinter seinen Filmemachern steht, ganz andere Sorgen: \u201eWenn du im Filmbusiness ein Million\u00e4r werden willst, musst Du ein Milliard\u00e4r beim Investieren sein!\u201c Eine \u201eMission Impossible\u201c also f\u00fcr Weltvertriebe (und auch F\u00f6rderungsanstalten)? Nicht f\u00fcr Francesca Accinelli: Telefilm Canada sei bekannt daf\u00fcr kleine, aber feine Filmprojekte zu finanzieren, die sich weltweiter Anerkennung erfreuen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Da das Panel \u00fcber 100 FilmemacherInnen online in Echtzeit verfolgen, erlaube ich mir, eine weitere Frage an Vertriebe und F\u00f6rderer zu stellen: Was tun Sie beide daf\u00fcr, dass die junge cineastischen Talente nicht nur ihre Filme realisieren k\u00f6nnen, sondern damit auch etwas Geld verdienen? Pourier formuliert es drastisch: \u201eWir rei\u00dfen uns den Hintern f\u00fcr Euch auf, um Euch zu unterst\u00fctzen!\u201c Man w\u00fcrde genauso hart arbeiten, damit die Visionen der K\u00fcnstlerInnen Wirklichkeit w\u00fcrden. Bei aller Dickk\u00f6pfigkeit, die man haben m\u00fcsse, um etwas durchzuziehen, sei gegenseitiges Vertrauen enorm wichtig. So sei sie \u00fcber 20 Jahren im Bereich Weltvertrieb t\u00e4tig. Sie k\u00f6nne schon einsch\u00e4tzen, ob ein Independent-Film f\u00fcr den Einsatz bei einem Internationalen Filmfestival taugen w\u00fcrde oder ob dies f\u00fcr den Sch\u00f6pferIn doch noch etwas zu fr\u00fch k\u00e4me.<\/p>\n<p>Ob Kunst oder Kommerz &#8211; f\u00fcr Antonio Exacoustos sollte in jeder Jury einer F\u00f6rderungsanstalt mindestens eine Person aus einem Weltvertrieb sitzen, um die Marktf\u00e4higkeit besser beurteilen zu k\u00f6nnen und ob ein reiner Verleih an heimische Kinos in Frage k\u00e4me oder gleich eine weltweite Auswertung. L\u00e4chelnd sagt er: \u201eBei der JETS Initiative, wo es in erster Linie um das Vorantreiben von Co-Produktionen geht, wird gleich international gedacht\u201c \u00c4hnlich wie beim Streaming-Giganten Netflix: Der w\u00fcrde viel in Deutschland produzieren, aber vor allem f\u00fcr den weltweiten Markt.<\/p>\n<p>Roland Teichman kann ihn beruhigen: \u201eIn unserer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Jury sitzt immer eine Person aus einem Weltvertrieb.\u201c \u201eDeswegen sind Eure Filme besser international vermarktbar, als die deutschen.\u201c, lobt er Felix Austria bei gleichzeitigen Tadel an das Land der Dichter und Denker. Stephanie Marschner von HessenFilm will das nat\u00fcrlich stellvertretend f\u00fcr ihre Zunft nicht auf sich sitzen lassen. Das Erarbeiten von gemeinsamen Strategien der F\u00f6rderungsanstalten und Weltvertriebe \u201ebegr\u00fc\u00dft\u201c sie nachdr\u00fccklich. Jochen Coldewey gesteht sogar ein, dass in der Jury von nordmedia mehr die \u201eVerleihbarkeit\u201c, als inhaltliche Fragen zu einem Filmprojekt im Vordergrund stehen w\u00fcrden. Dann liegen ja Weltvertriebe und F\u00f6rderungsanstalten doch gar nicht so weit auseinander, wie von Antonio Exacoustos bef\u00fcrchtet!<\/p>\n<p>Brian Nitzkin aus den USA greift die an sich einfache Frage \u201eWer ist dein Publikum?\u201c nochmals auf. Denn manchmal w\u00fcrden die KinobesucherInnen auch einen Film f\u00fcr sich entdecken wie beim renommierten Sundance Festival, dass von keinem Geringeren als Schauspielerlegende (und Gelegenheitsregisseur) Robert Redford ins Leben gerufen wurde. Wenn eine Independent-Produktion da gut ankommt, ist ihr weiterer Weg eigentlich international schon gemacht und die Weltvertriebe k\u00f6nnen ihn zahlreiche L\u00e4nder verkaufen. Und dann liegt ihm etwas ganz besonders am Herzen: \u201e\u201cWenn wir eine Diskussion wie diese, die wir hier gerade f\u00fchren, schon eher gehabt h\u00e4tten, w\u00e4re das enorm hilfreich f\u00fcr alle Beteiligten gewesen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u201eF\u00f6rdern und Fordern\u201c, hei\u00dft es eben nicht nur bei dem wegen seiner Putin-Treue in Misskredit gefallenen Altkanzler Gerhard Schr\u00f6der. W\u00e4hrend die uns\u00e4gliche \u201eHartz IV\u201c-Politik seit dem Regierungswechsel nur wenig reformiert wird, stehen &#8211; auch dank JETS &#8211; die Chancen gut, dass Weltvertriebe und F\u00f6rderungsanstalten noch mehr aufeinander zugehen: Vor allem zum Wohl der FilmemacherInnen!<\/p>\n<p><i>Marc Hairapetian ist Freier Journalist (u.a. Frankfurter Rundschau, junge Welt) sowie seit seinem 16- Lebensjahr Herausgeber des von ihm begr\u00fcndeten Kulturmagazins Spirit &#8211; Ein L\u00e4cheln im Sturm <\/i><a href=\"https:\/\/spirit-fanzine.de\"><i>https:\/\/spirit-fanzine.de<\/i><\/a><i><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJournalisten fragen, Politiker antworten\u201c, hie\u00df es von 1952 bis 1987 bei Werners H\u00f6fers \u201eInternationalem Fr\u00fchschoppen\u201c, der legend\u00e4ren Diskussionsrunde des Westdeutsche Rundfunks, die immer Sonntags im Deutschen Fernsehen (heute: Das Erste) ausgestrahlt wurde. Beim ersten JETS-Panel &#8230; <a href=\"https:\/\/wepfilms.com\/de\/2022\/03\/foerdern-und-fordern-marc-hairapetian-ueber-independent-kino-millionaere-milliardaere-und-das-jets-panel-2022-von-der-filmfinanzierung-bis-zum-verkauf\/\" class=\"more-link\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1371,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-1373","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neuesten-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1373","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1373"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1373\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1371"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}