{"id":1678,"date":"2025-02-21T19:07:09","date_gmt":"2025-02-21T19:07:09","guid":{"rendered":"https:\/\/wepfilms.com\/2025\/02\/raunaechte-und-roter-drachenzahn-marc-hairapetian-ueber-die-gewinner-der-jets-initiative-2025\/"},"modified":"2025-02-21T19:08:50","modified_gmt":"2025-02-21T19:08:50","slug":"raunaechte-und-roter-drachenzahn-marc-hairapetian-ueber-die-gewinner-der-jets-initiative-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wepfilms.com\/de\/2025\/02\/raunaechte-und-roter-drachenzahn-marc-hairapetian-ueber-die-gewinner-der-jets-initiative-2025\/","title":{"rendered":"Raun\u00e4chte und Roter Drachenzahn &#8211; Marc Hairapetian \u00fcber die Gewinner der JETS Initiative 2025"},"content":{"rendered":"<p>Das sind die Wege zum Ruhm im Jahre 2025! Dass die JETS Initiative ein Sprungbrett f\u00fcr eine internationale Filmkarriere sein kann, ist bei dieser Berlinale eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden: 2023 wurde \u201eHoney Bunch\u201c, der geheimnisvoll anmutende Genre-Mix aus Melodram und SciFi-Horror-Thriller im Retro-Design, noch vom Regie- und Drehbuch-Gespann Dusty Mancinelli\/Madeleine Sims-Fever in der Vertretung des Landes Bremen beim Bund gepitched. Zwei Jahre sp\u00e4ter erfolgte am 18. Februar im ausverkauften Zoo Palast (wohlgemerkt im gro\u00dfen Saal 1!) die Weltpremiere in der Sektion \u201eBerlinale Special\u201c.<\/p>\n<p>Der kanadische Spielfilm erinnert bei aller Eigenst\u00e4ndigkeit an die Edelschocker von Nicolas Roeg (\u201eDon\u2018t Look Now\u201c, 1973) und Stanley Kubrick (\u201eShining\u201c, 1980), wobei sich der handgemachte Schrecken, der weitgehend auf CGI-Effekte verzichtet, auch \u00fcber den im Wortsinn fantastischen Soundtrack von Andrea Boccadoro vermittelt: Ohne jegliche Erinnerung wird Diana (Grace Glowicki) von ihrem Gatten Homer (Ben Petrie) in eine tief in den W\u00e4ldern gelegene Traumaklinik gebracht. Sie kann sich die Umst\u00e4nde zun\u00e4chst nicht erkl\u00e4ren, doch nach und nach kommen ungeahnte, dunkle Wahrheiten \u00fcber ihre Ehe ans Licht. Grace Glowicki brilliert in mehrfacher Hinsicht als Klon ihrer selbst. Und die erst 19-j\u00e4hrige India Brown r\u00fchrt, ohne jetzt zu spoilern, am Ende das Publikum, zu Tr\u00e4nen. Der Autor dieser Zeilen traf sie mit ihren Schauspielerkollegen und den beiden Filmemachen bei der Urauff\u00fchrung. Ihr ist eine gro\u00dfe Zukunft gewiss.<\/p>\n<p>Von solchen Erfolgen tr\u00e4umen auch die Teilnehmer der JETS Initiative. F\u00fcr die ersten und zweiten Sieger des diesj\u00e4hrigen Wettbewerbs ist der erste Schritt bereits gemacht. Sie haben gute Chancen, dass ihre Projekte bald realisiert und auf der gro\u00dfen Leinwand zu sehen sein werden. Bleiben wir noch f\u00fcr einen Moment bei Kanada. Der Gewinner des nach Russlands zweitgr\u00f6\u00dftem Staates der Erde ist 2025 \u201eHeadliner\u201c von Regisseur Kill Weyman und Produzent James Weyman. Das mit viel Musik angereicherte Coming-of-Age-Drama, welches auf wahren Ereignissen basiert, \u00fcberzeugte die Jury vor allem aufgrund des komplexen Drehbuchs und der fundierten Recherche. Beim Aufstieg eines ambitionierten DJs Club, der aus der Vorstadt kommend das Nachtleben von Toronto entert und dabei in Liebesaff\u00e4ren wie auch den Drogenschmuggel nach Australien verstrickt wird, f\u00e4ngt bereits im Skript die elektrisierende Atmosph\u00e4re des Gro\u00dfstadtdschungels ein. Als \u201eFollow Up\u201c wurde \u201eThe Stray Bullets\u201c mit einer Siegerurkunde ausgezeichnet. Die feministische Buddy-Kom\u00f6die \u00fcber die besten Freundinnen Tanya und Louise, die an der konservativen Notre Dame Catholic High School die Grundfesten ins Wanken geraten lassen und das weibliche Hockey-Team \u201eThe Stray Bullets\u201c formieren, besticht durch seine Lockerheit und die \u201eEasy Going\u201c-Attit\u00fcde, die sich selbst nicht immer als zu ernst nimmt.<\/p>\n<p>Auch wenn die Preisverleihung seit Jahren in der Kanadischen Botschaft am Potsdamer Platz stattfindet, ist die international best\u00fcckte JETS Initiative immer auch ein Heimspiel f\u00fcr Deutschland. Den ersten Platz belegt nun \u201eRaun\u00e4chte\u201c von Enkelejd Lluca (Regie) und Sebastian Sgodzai (Produktion). Die junge Clara ist bei einem Besuch in einem \u00f6sterreichischen Dorf auf einen romantischen Urlaub zu zweit mit ihrem Verlobten eingestellt, doch als dessen Arbeitskollegen unvermittelt auftauchen, beginnt ein m\u00f6rderisches Neujahrsspiel, der sogenannte \u201ePerchtenlauf\u201c\u2026 Beim zweiten Sieger hatte ich die Ehre, auf der B\u00fchne die t\u00fcrkisch-deutsche Schauspielerin und Buchautorin Didem Ercin zu begr\u00fc\u00dfen. Sie spielte bereits 2013, ganz zu Anfang ihrer Karriere also, unter der Regie von Edward Berger, dessen Remake von \u201eIm Westen nichts Neues\u201c 2023 gleich vier Oscars ergattern konnte, im \u201eTatort: Wer das Schweigen bricht\u201c mit). Charmant verk\u00fcndete sie den \u201eFollow Up\u201c \u201eColdblood\u201c. In dem Zukunfts-Action-Thriller geht es an Bord der Raumstation \u201eMethusalem\u201c der \u201eTree of Life\u201c-Corporation um einen Sabotageakt an zahlreichen eingefrorenen Individuen , die eigentlich auf ein neues, besseres Leben gewartet haben. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt\u2026 Die Jury erkannte das hohe kommerzielle Genre-Potential, das alte wie junge Science-Fiction-Freunde ins Kino locken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Irland ist zwar ein kleines Land, aber mit einer bl\u00fchenden Filmindustrie, die auch auf Co-Produktionen wie mit dem Nachbarn aus Gro\u00dfbritannien setzt. Erster Sieger ist diesmal \u201eRiot Girl Summer\u201c von Sin\u00e9ad Ni Bhroin und Daniel Hegarty. Vor allem das sorgf\u00e4ltig ausgearbeitete Drehbuch der 16-j\u00e4hrigen Tilly, die den Tod der Mutter zu verkraften hat, und neue Kraft in der Gr\u00fcndung einer M\u00e4dchen-Punk-Band findet, war Garant f\u00fcr die Auszeichnung. \u201eFollow Up\u201c kann sich \u201eSurrogate\u201c von Regisseurin Nadia Shmelova und Produzent Eamon Hughes nennen, vor allem wegen seines politisch hochaktuellen Hintergrunds. Ein Ehepaar in Irland ist sich bereits mit der schwangeren, ukrainischen Mutter eines noch ungeborenen Kindes einig, doch dann kommt alles anders als geplant: Krieg, Flucht, Zweifel stehen den Familiengl\u00fcck im Weg. Am Ende aber gibt es ein Happy-End f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p>Da \u00d6sterreich auch 2025 nur einen Teilnehmer &#8211; den dystopischen Thriller\u201eLevel\u201c von Regisseur David Birner und Produzent Satoshi &#8211; stellte, kam es zu einer \u201eChallenge\u201c mit Norwegen. Und daraus ging \u201eDustbin Heroes\u201c von J\u00f8rn Kolsrud (Regie) und Kristian Kamp (Produzent) hervor. Im London der Nachkriegszeit zeichnet der sch\u00fcchterne Adam Forster f\u00fcr seine kranke Mutter eine Reihe von Superhelden. Als da w\u00e4ren: Sir Long John, Captain Bluff, Zana und Professor Von Holzkopf. Sie begeben sich auf die gef\u00e4hrliche Suche nach dem Roten Drachenzahn, einer mythischen Pflanze, die \u00fcber heilende Kr\u00e4fte verf\u00fcgt. Das gut entwickelte, herzerw\u00e4rmende Projekt konnte bei der Jury als starker Zeichentrickfilm punkten.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika ist aufgrund seiner atemberaubenden Landschaft und der kosteng\u00fcnstigen Produktionsbedingungen ein stets willkommener Co-Produktionspartner f\u00fcr Filmprojekte aus aller Welt. Das \u201eLand des Sonnenscheins\u201c hatte 2025 gleich drei Bewerber im Rennen. Erster Sieger wurde \u201eBaptism of Silence\u201c von Emilie Badenhorst und Kanya Viljoen (Regie) sowie Casey Diepeveen (Produzent). Sie erz\u00e4hlen von den aus einer l\u00e4ndlichen Bergbau-Siedlung stammenden Geschwistern Joshua (13) und Dan\u00e9 (16). Die beiden sind unzertrennlich. Als Joshua auf der High School in schlechte Gesellschaft ger\u00e4t und Dan\u00e9 pl\u00f6tzlich schwanger wird, kommt es zum Bruch zwischen den beiden. Das neorealistische Skript \u00fcberzeugte die Jury.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Einen zweiten Sieger f\u00fcr S\u00fcdafrika gab es in diesem Jahr leider nicht.<\/p>\n<p>Das Vereinigte K\u00f6nigreich von Gro\u00dfbritannien und Nordirland ist bei JETS traditionell stark vertreten. Den ersten Platz 2025 machte \u201eThe Hate Factory\u201c von Adrian Mead (Regie) und Clare Kerr (Produktion). Das Gef\u00e4ngnisdrama basiert auf einer wahren Geschichte. 1987 gab es im Peterhead Prison eine Revolte, die nach der Geiselnahme von W\u00e4rtern von der Spezialeinheit SAS blutig niedergeschlagen wurde. Ein auch psychologisch betrachtet verst\u00f6rendes Drama, das nur an einem einzigen Schauplatz spielt. \u201eFollow Up\u201c wurde der Horror-\u00d6ko-Thriller \u201eNight Song\u201c von Regisseur Sid Bennett und Produzent Jack Pollington.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Auf einer arktischen \u00d6l-Station ereignen sich unheimliche Dinge. Das Fernsehen ist mit seiner Show \u201eMermaids: The Body Found\u201c bald live dabei. Der Meerjungfrauen-Mythos trifft hier auf die Alien-Saga. Sicherlich ein Fest f\u00fcr Freunde von VFX, wo Live-Action-Aufnahmen mit digitalen Effekten verbessert werden! Nach JETS ist vor JETS. Auch 2026 wird es, Aliens hin oder her, hei\u00dfen: The show must go on! Wir freuen uns darauf!<\/p>\n<p><i>Marc Hairapetian ist Freier Journalist (u.a. Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung) sowie seit seinem 16- Lebensjahr Herausgeber des von ihm begr\u00fcndeten Kulturmagazins Spirit \u2013 Ein L\u00e4cheln im Sturm\u00a0<\/i><a href=\"https:\/\/spirit-fanzine.de\/\"><i>https:\/\/spirit-fanzine.de<\/i><\/a><i>\u00a0<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sind die Wege zum Ruhm im Jahre 2025! 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